GLIOBLASTOM - Anni Hofmann Stiftung

Bericht zum geförderten Projekt: Tumor-assoziierte mesenchymale Stammzellen als Ziel neuer Behandlungsstrategien für Glioblastome

Antrag für ein Folgeprojekt:
Neugebildete Perizyten in der GBM Vaskulatur stammen von, bisher unbekannten, Perizyte-Vorläuferzellen ab

Kommuniziert durch:
Prof. Dr. Rainer Glaß, Leiter der Neurochirurgischen Forschung, Klinik für Neurochirurgie, Klinikum der Universität München, Marchioninistr. 15, 81377 München. Email: rainer.glass@med.uni-muenchen.de 

Berichtszeitraum: 1 / 2016 bis 12 / 2017

Glioblastome (GBM) sind aggressive, behandlungsresistente primäre Gehirntumore, die bestimmte histopathologische Merkmale, wie beispielsweise hohe Invasivität und ausgedehnte Vaskularisierung, aufweisen. Trotz dieser konsistenten morphologischen Muster zeichnen sich GBM auch durch eine enorme Heterogenität aus, die sich auf unterschiedlichen Ebenen manifestiert: 1. Es lässt sich eine starke inter-individuelle genetische Diversität bei Gruppen von GBM Patienten beobachten. 2. Innerhalb eines einzelnen GBM existieren loco-regionale zellbiologische sowie genetische Unterschiede. Diese inter- und intra-tumorale Heterogenität stellt eine wesentliche Hürde bei der Etablierung von Behandlungskonzepten von Gehirntumoren dar. Wir greifen in unserer Arbeit an diesem Punkt an, indem wir regio-spezifische Wechselwirkungen von GBM-Zellen mit der Tumor-unterstützenden Mikroumgebung untersuchen und eine Palette von genetisch unterschiedlichen GBM-Modellen für unsere Studien heranziehen. Mithilfe dieser Strategie beobachteten wir, dass Gewebsstammzellen (mesenchymale Stammzellen; MSC), die z.B. Immunreaktionen und Heilungsprozesse bei Wundschließung außerhalb des Gehirns koordinieren, in invasiven Tumorregionen mit GBM-Zellen assoziiert sind. Hier förderte die GBM-MSC Interaktion insbesondere die Therapieresistenz und erhöht damit das Risiko für die Rezidivbildung. Es ist uns gelungen, die molekulare Signalwege für die MSC-beförderte Therapieresistenz im GBM zu entschlüsseln. Dies erlaubt uns nun, neue präklinische Behandlungsstrategien zu erforschen, die die tumorfördernden Eigenschaften des Zusammenspiels von MSC und GBM blockieren. Die Responsivität von GBM Zellen gegenüber propathogenen Signalen aus MSC hängt auch vom genetischen Status der Tumorzellen ab. Daher haben wir genetische Marker klassifiziert, die anzeigen können ob eine MSC-induzierte Therapieresistenz bei einem bestimmten GBM zu befürchten ist. Mittels dieser Kriterien können wir Patienten identifizieren, die in besonderer Weise von neuen MSC-gerichteten Adjuvans-Therapien profitieren. In den kommenden Monaten werden wir die translationale Umsetzung dieses Forschungsprojekts angehen und die Anni Hofmann Stiftung weiterhin zeitnah über unsere Fortschritte informieren. Aktuell schlagen wir der Anni Hofmann Stiftung ein neues grundlagenwissenschaftliches Projekt zu Förderung vor. Unser neues Forschungsthema hat das Potenzial aktuelle Konzepte zur Anti-Angiogenese beim GBM grundlegend fortzuentwickeln. Die derzeit klinisch angewandten anti-angiogenen Substanzen modulieren Signalwege in Endothelien, was teilweise mit Nebenwirkungen behaftet ist, da Endothelzellen von grundlegender physiologische Bedeutung für den gesamten Körper sind. Wir haben nun einen Perizyten-Vorläuferzelltyp entdeckt, der für die Bildung neuer intratumoraler Blutgefäße essentiell ist und ausschließlich in der Neoangiogenese aktiviert wird (im Gehirn also nur im GBM). In unserem neuen Forschungsprojekt möchten wir diese Perizyten-Vorläuferzellen charakterisieren, um sie für neue GBM-Therapien zugänglich zu machen.